Am Ende Mai dieses Jahres, gab es Diskussionen unter Forenmitgliedern, welche sich damit beschäftigten haben, warum wir als Menschen, die Zeit phasenweise als sehr langsam oder schnell erfahren und wie man die Zeitwahrnehmung verändern könnte, um zum Beispiel Wege schneller als gewöhnlich zu überwinden.
Da ich nun von einigen Mitgliedern gebeten wurde, diese Thematik in einem Thread hier in Thetawaves zu behandeln, komme ich jetzt eurer Bitte entgegen.
Bevor ihr euch in den etwas ausgedehnten Artikel schmeisst, weise darauf hin, dass er auch als Audiodatei in der "Thetawaves-Sykekofi" erhältlich ist. Lasst euch bitte nicht vom Umfang abschrecken, denn bevor wir beginnen die Zeit zu manipulieren (was recht simpel ist
Ersteinmal wollen wir uns anschauen was Zeit denn überhaupt ist und im Anschluss, wie die Uhren in unseren Köpfen ticken. Denn die Zeit wie wir sie im Alltag interpretieren gibt es eigentlich überhaupt garnicht.
Bewegung in Raum und Zeit
Unsere Zeitmesser, wie zum Beispiel Uhren, sind vom Konzept her einem Kompass sehr ähnlich. Mit einem Kompass bestimmen wir auf einer größeren Fläche einen bestimmten Punkt auf den wir uns zubewegen wollen. Die Uhr zeigt uns ebenfalls eine Fläche, jedoch ist diese kein physischer Raum, sondern die Distanz zwischen z.B. Tag und Nacht. Genauso wie wir den Kompass benutzen um ein Reiseziel anzunavigieren, sehen wir an unseren Zeitmessern, wo wir uns gerade befinden und wielange es zu einem bestimmten Zeitpunkt noch dauern wird. Wir sehen also, dass es zwei Ebenen gibt, in denen wir uns befinden ; Zeit und Raum.
Der große Unterschied zwischen einem Kompass und einer Uhr ist jedoch, dass die Zeit nicht wahrgenommen werden kann, wenn eine zusätzliche Komponente fehlt- die Bewegung. Denn Zeit bedeutet, wie viele Einheiten von Bewegungen nötig sind, um im physischen Raum von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Als Bewegungseinheiten eigneten sich in der Vergangeheit der Sonnenstand oder die Bewegung der Sternkonstellationen aber auch Schritte, Reibungen, selbst Gedanken können als Bewegungseinheiten benutzt werden. Allerdings sind diese sich nicht immer gleichmäßig, weshalb die Uhr als Alternative entwickelt wurde. So formen sich aus Sekunden Minuten, aus Minuten Stunden und aus Stunden Tage (u.s.w.).
Wir sehen also, dass die Zeit eigentlich nicht existiert, sie ist lediglichlich ein Begriff um Bewegungseinheiten zu benennen.
Die Zeitqualität
Was ist schwerer? Ein Kilogramm Steine oder ein Kilogramm Federn?" Diese Frage haben viele von uns gestellt bekommen und jeder ist in Gedanken kurz gestolpert. Steine sind grundsätzlich schwerer als Federn, das wissen wir aus Erfahrung. Deshalb neigen wir dazu in die Falle zu tappen und die Steine als schwerer zu erklären. Erst wenn wir registrieren, dass es sich jeweils um ein Kilogramm handelt, lenken wir ein und berichtigen unseren Gedanken.
Man könnte die Frage auch wie folgt umformulieren: "Was dauert länger? Eine Stunde Hausaufgaben oder eine Stunde Freizeit ?" Auch hier bedienen wir uns im ersten Moment an unseren Erfahrungen und schlussfolgern, dass die Hausaufgaben oder Steuererklärung länger dauert.
Wie die abstrakte Maßeinheit des Gewichts, wird auch die Zeit immer subjektiv bewertet und ist daher je nach Qualität unterschiedlich lang oder kurz.
Wir müssen uns also zunächst daran gewöhnen, dass die abstrakte/ objektive Zeit unabhängig von unserer subjektiven/psychologischen Zeit existiert.
Wer schon einmal längere Zeit in einem Wald verbracht hat, weiss, dass das subjektive Zeitempfinden eine völlig andere ist, als die Uhrzeit.
Die Formen der Zeit
"Alles ist relativ", auch wenn einige Thesen von Albert Einstein mit der Zeit modifiziert und verbessert werden, so behält er mit diesen drei magischen Worten recht. Auch die Zeit ist relativ, denn eine einzelne Stunde kann einem wie eine Ewigkeit vorkommen oder im nu vorbei sein.
Man kann die Betrachtung der Zeit in drei unterschiedliche Kategorien einorden, welche bei der Vermengung miteinander zu Paradoxa führen, welches wir in diesem Artikel versuchen wollen zu begreifen. Es handelt sich dabei um die objektive, perspektivische und psychologische Zeit.
Die objektive Zeit ist eine Maßeinheit, die wir als allgemeingültig definieren. Wie bereits angesprochen, ist die regulärste, die Uhrzeit. Umgebungsabhängig können es auch Arbeitszyklen sein, wie zum Beispiel Früh und Spätschicht. Die Schulen definieren 45 Minuten als eine Unterrichtsstunde und einen Tag teilen wir in Morgens, Mittags, Nachmittags, Abends und Nachts auf.
Die perspektivische Zeit befasst sich mit der Wahrnehmung von Veränderungen im Raum, ohne emotionalen Bewertungen.
Jeder setzt zum Beispiel eine Zeitspanne in Relation zum bisher gelebten Leben.
Für eine Dreijährige entspricht ein Jahr einem Drittel des bisherigen Lebens, für einen Achtzigjährigen nur einem Achtzigstel. Dadurch entsteht der Eindruck, dass, je Älter man wird, desto kürzer einem bestimmte Lebensphasen vorkommen.
Die psychologische Zeit ist die Bewusste Wahrnehmung und Bewertung von Bewegungen.
Je mehr und je bewusster man Bewegungseinheiten erfasst, desto langsamer vergeht die Zeit, wärend die Gewohnheit, die Zeit schneller vergehen lässt.
So kommt es, dass im Urlaub die ersten Tage immer sehr langsam vergehen, die letzten hingegen sehr schnell. Der Beginn des Urlaubs ist gespickt mit neuen Eindrücken, die wir bis ins kleinste Detail auskosten, während sich zum Ende hin die Gewohnheit einschleicht und man sich nicht mehr bewusst auf die Bewegungseinheiten/ Wahrnehmungen konzentriert. Die Zeit läuft also wieder schneller ab.
Das Paradoxon
Setzt man die psychologische Zeit mit der objektiven in Verbindung, entsteht ein Paradoxon, denn auch wenn uns eine objektive Stunde vorkommt, wie drei psychologische Stunden, sind beide Zeitlinien korrekt. Das bedeutet, dass man z.B. Ein Fußmarsch von drei Stunden in eine objektive Stunde integrieren kann.
Wollen wir uns diese Behauptung anhand eines Beispiels in der Natur verbildlichen.
Ein Mäusejahr entspricht etwa zwanzig Menschenjahren, sie wird dafür auch nur etwa vier Jahre alt. Mäuse verarbeitet aber auch wesentlich mehr Daten in der Sekunde, wodurch sie in ihrem gesamten Leben das Zeitempfinden hat, wie der Mensch in etwa achtzig Jahren.
Das heisst also, dass wir Menschen uns in den Augen einer Maus in Zeitlupe bewegen.
Bei Eintagsfliegen ist dieser Effekt im Verhältnis stärker, wodurch es so ungemein schwierig ist, sie mit der Zeitung zu treffen.
Das bedeutet im Kern, dass eine Maus in einem psychologischem Jahr soviel Erfahrungen sammelt, wie der Mensch in zwanzig objektiven Jahren.
Es ist also möglich große psychologische Zeiträume in kleinere objektive zu integrieren.
Mit einer erhöhten Datenverarbeitung im Kopf wird uns der Fußmarsch zwar nach wie vor, wie drei Stunden erscheinen aber auf der Uhr ist nur eine Stunde vergangen.
Diesen Effekt kann man mit ein paar leichten Kniffen selbst auslösen.
Haltet die Welt an!
Wollen wir also die Zeit verlangsamen, damit wir möglichst viel in z.B. Einer Stunde schaffen wollen, isolieren wir uns ersteinmal von der objektiven Zeit. Das erreichen wir, indem wir zunächst den Blick auf die Uhr vermeiden (Wer einen Termin hat, stellt sich ein Audiosignal ein). Meistens ist es hilfreich sich im geiste vorzustellen, man wäre von einer Art Zeitblase umgeben. Innen herrscht nur die subjektive Zeit und die objektive Zeit bleibt ausserhalb der Blase.
Nun beginnen wir der Beschäftigung nach zugehen, die wir in einer Stunde fertig haben wollen (Zum Beispiel einen Fußmarsch). Parallel dazu vergewissern wir uns regelmäßig, dass die Zeitblase noch da ist. Jetzt gilt es, wie in der psychologischen Zeit beschrieben, bewusst, sehr viele Daten in sich aufzunehmen. Wir blicken uns um und betrachten die Umgebung im kleinsten Detail, springen dabei hektisch wie eine Maus von einem Objekt zum nächsten. Wir werden schon dach kurzer Zeit feststellen, dass z.B. Autos scheinbar langsamer werden. Manchen hilft es sogar, sich vorzustellen, Autos gedanklich auszubremsen.
Wenn der Weg absolviert ist, schauen wir auf die Uhr und staunen
MFG Bazur


